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Der Klang der Farbe: Kleine Farblehre für Gartengestalter

Blütenmeer voller Ringelblumen im Sommer

Eine gelbe Sonnenblume vor der dunklen Hauswand, eine rote Kletterrose an der grünen Pergola, ein buntes Beet Tulpen: Farbe ist aus dem Garten kaum wegzudenken. Ja, natürlich spricht man vom „heimischen Grün“. Aber wären alle Pflanzen immer nur grün – wie langweilig wäre doch der Garten? Farbe hingegen belebt die Parzelle, heitert trostlose Fleckchen auf, setzt besondere Stellen in Szene, vergrößert kleine Räume oder lässt weite, kalte Fluchten wärmer und gemütlicher erscheinen.

Professionelle Gartengestalter und Landschaftsarchitekten wissen: Neben Gießkanne, Schubkarre und Spaten ist auch die Farbgestaltung ein wichtiges „Werkzeug“. Im Folgenden erklären wir, warum Farbe im Garten so wichtig ist und worauf Sie bei der Gestaltung von Garten, Hochbeet, Terrasse und Balkon achten sollten.

1. Die Philosophie: Farben haben eine Melodie

Blauer Borretsch

Die Romantiker verfielen scharenweise der blauen Blume. Versteckte sich hinter dem Symbol ewiger Sehnsucht der Borretsch?

Die blaue Blume – in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts stand sie wahlweise für Liebe, Sehnsucht und den Versuch, sich im Unendlichen aufzulösen. Novalis, Eichendorff, Chamisso, E.T.A. Hoffmann oder Philipp Otto Runge – kaum ein Romantiker, der nicht sein Herz an eine blaue Blume verlor. Doch welches physische Gewächs die Vorlage für das metaphysische Symbol abgab, ist bis heute umstritten: War es tatsächlich eine Kornblume oder doch eine Wegwarte? Oder kann man Novalis glauben, der verzückt dem blauen Heliotrop huldigte?

Bis heute ist Blau – und nicht Rot – die Königsfarbe der Gartengestalter. Der Garten-Philosoph Karl Foerster (1874-1970) veröffentlichte im Jahr 1940, mitten während des Zweiten Weltkriegs, seine Betrachtungen zum „Blauen Schatz der Gärten“. In seinem Werk stellt Foerster zahlreiche blaue Blumen vor, streng sortiert nach Blütezeit: Vorfrühling, Frühling, Sommer, Herbst. Selbst Ellen Fischer, eine Autorin mit Sinn für praktische Gartenarbeit, kommt bei Blau ins Schwärmen. „Blau, wenn es sich um das Wunder von Blüten handelt, ist nicht nur eine Farbe, sondern immer auch die blaue Sehnsuchtsmelodie der Panflöte.“

Auch Claus Schulz gehört zu denen, für die ein Garten eine Klangwelt darstellt. „Farben sind hörbar“, davon ist der Garten-Designer aus Wuppertal überzeugt. Die Farbwirkung der verschiedenen Blüten könne man sogar körperlich spüren. „Es gibt laute Farben, die wie Posaunen blutdrucksteigernd wirken. Dazu zählt z. B. ein kräftiges Rot. Und es gibt Farben, die beschwichtigend den Schweigegarten errichten, z. B. das Blau des Borretsch.“

Brachiales Rockkonzert oder meditative Stille – alles eine Frage der Farbe? Schulz ist davon überzeugt und gibt in seinem Buch „Der Garten Eden“ dem Leser gleich die passenden Tipps mit auf dem Weg: „Die blaublühenden Pflanzen sollten im Garten zur Abkühlung der großen Sommerhitze verwendet werden. Der menschliche Körper verwendet das blaue Augensignal wie eine frische Brise; der gelbe Garten dagegen sollte den Vor- und Nachsommer der mäßigen Temperaturen aufwärmen.“ Aber wie funktioniert das eigentlich?

2. Die Theorie: Basics der Farbgestaltung

Viele Studentenblumen

Farben bringen Leben in den Garten. Ein Meer von Studentenblumen leuchtet hell und warm.

Sie müssen es ja nicht gleich so machen wie Veronika Walz. Die Gärten, die die Botanikerin anlegt, sind wahre Augenweiden. Mal dezente Farbspiele, mal schiere Farbexplosionen. Ist der Garten entsprechend groß, durchaus auch mal beides zugleich. Die Passion der Gartenliebhaberin sind Farbbeete, die sich in ganz Österreich finden lassen. Das Geheimnis: Die Farbbeete sind nicht einfach nur „bunt“. Stattdessen werden die unterschiedlichen Wirkungen, die Farben auslösen können, gezielt miteinander kombiniert. Denn Farbe ist nicht nur ein optischer Reiz, sondern auch immer mit einer emotionalen Reaktion verbunden.

Durch Farben können Sie Stimmungen ausdrücken. Wenn die so gestalteten Zonen erhalten bleiben, kann Ihr Garten so zu einer Art begehbaren Biographie werden. Jede Station spiegelt dann einen Abschnitt Ihres Lebens wider: ein rotes Beet für die erste Liebe, Weiß für den Abschied von einem geliebten Menschen. Andererseits können Sie durch den bewussten Einsatz von Farbe beim Betrachter auch bestimmte Eindrücke und Emotionen hervorrufen. Dann vermittelt ein Gartenabschnitt Ruhe und Ausgeglichenheit, ein anderer Leidenschaft und Spannung.

Hochbeet

Platz für Blumen und Farben aller Art bietet das Eck-Hochbeet von OUTFLEXX.

Daneben ist Farbe auch wunderbar dazu geeignet, Räume optisch neu zu strukturieren. Ist Ihr Garten klein und eng, erweitern Sie ihn mit kühlen Farbtönen. Große und unübersichtliche Gärten lassen sich mit warmen Farben optisch zusammenziehen. Im Auge des Betrachters wirkt ein Beet orangefarbener Stiefmütterchen tatsächlich immer kleiner als eines mit blauen Hortensien – obwohl die Abmessungen identisch sind. Nutzen Sie daher Farbe, um Ihren Garten räumlich zu gliedern.

Tabelle 1: Farbwirkung in Gärten

FarbeWirkungOptischer EindruckIdeale Gartengröße
Helle Farbenmachen kleine Fläche größer als sie in Wirklichkeit sindEnge Beete wirken weiter, Nischen geräumiger.für kleine Gärten
Dunkle Farbenverkleinern große Gärten optischAusufernde Beete wirken schmaler, leere Flächen kompakter.für große Gärten
Warme Farbenheben die gefühlte Temperatur einer LandschaftDer Garten wirkt persönlicher, gemütlicher, wohnlicher, aber auch etwas enger.für Gärten mit wenig bis mäßig Sonnenlicht
Kalte Farbensenken die gefühlte Temperatur einer LandschaftDer Garten ist weiträumiger und entspannt den Betrachter mehr.für Gärten mit mäßig bis viel Sonnenlicht

Monochrome Farbbeete sind ideal, um Besucher optisch zu beeindrucken. Mit einem Beet voller roter Blüten, angefangen von Rosen über Tulpen bis hin zu Klatschmohn, ist Ihnen der Beifall sicher. Wenn Sie Anlagen eine größere räumliche Struktur geben möchten, brauchen Sie mehrere Farben. Allein dadurch geben Sie dem Beet eine eigene Gliederung, definieren Zonen und heben bestimmte Abschnitte hervor. Wenn Sie sich ans Planen machen, sollten Sie sich aber immer daran erinnern, dass jede Farbe neben ihrer eigenen Wirkung auch die Wirkung benachbarter Farben beeinflusst.

Tabelle 2: Farbwirkung auf den Menschen

FarbeWirkungEinsatz
GrünberuhigendGrundfarbe des Gartens
Bildet den Hintergrund
Vermittelt zwischen den verschiedenen Blütenfarben
Optische Ruhezone
GelbHelligkeit, Wärme, fröhliche StimmungHohe Strahlkraft vor dunklen Hintergründen
Lässt benachbarte Farben dunkler erscheinen
Schafft optische Dichte
OrangeLeben, WärmeSetzt AkzenteSchafft optische Dichte
RotHellWärmeLässt benachbarte Farben dunkler erscheinen
KräftigSignalfarbeSetzt Akzente
DunkelBeruhigungLässt benachbarte Farben heller erscheinen
RosaWeißlichZart, leichtStrahlt vor weißen und grauen Hintergründen
RötlichWarm, fröhlichStrahlt vor grünen Hintergründen
BläulichKühl, elegantStrahlt vor allen hellen Hintergründen
BlauKühl, elegant, vornehmSchafft optische Weite
Vor hellem Hintergrund: sehr strahlend
ViolettLeicht wärmend, leicht beruhigendStrahlt bei vollem Sonnenlicht
WeißNeutral, vermittelndSchafft optische Weite
Ist in der Mitte von Beet und Rabatte ein Blickfang

3. Die Praxis: Mit Farbe richtig gestalten

Blumen in Schubkarre

Nun geht’s ans Werk: Wie kann der Garten mit diesen Blüten farblich schön gestaltet werden?

Nach der Theorie folgt nun die Praxis. Wir stellen vier Möglichkeiten vor, mehr Farbe in Ihren Garten zu bringen.

Möglichkeit 1: Ton-in-Ton kombinieren

Bei Ton-in-Ton werden Farben aus einer Farbgruppe kombiniert, beispielsweise nur rote Blüten. Einen normalen Blumenkasten verwandeln Sie in ein aufregendes Arrangement, wenn Sie Petunien, Geranien, Feuersalbei und Hängeverbenen – allesamt rotblühend – zusammenpflanzen. Blüten mit helleren oder dunkleren Farbabstufungen (Fuchsien oder Tränendes Herz) lockern die Komposition etwas auf. Möchten Sie eine lebhafte Atmosphäre erzeugen, sollten Sie zu gelben oder orangefarbenen Blüten greifen. Demgegenüber wirken Blau- und Violett-Töne tiefenentspannend.

Farbkreis

Der Farbkreis in einer einfachen, schematischen Abbildung.

Möglichkeit 2: Farbverlauf

Mit dem Farbverlauf ist die Kombination von Farbgruppen gemeint, die auf dem Farbkreis nebeneinander liegen. Während auf den Außenseiten jeweils die Blüten mit reinen Farbtönen den Rahmen bilden, sorgen viele Mischfarben im Mittelteil für einen langsamen optischen Wechsel. Gepflanzt wird in der Regel der Verlauf von zwei Farben. Erforderlich ist nicht nur viel Platz, sondern auch eine gute Planung, um die Übergänge sanft zu gestalten. Im Rosengarten in Dresden wurden beispielsweise 13 verschiedene Rosensorten gepflanzt, um die weiße Farbe der ersten Sorte in das Lachsrot der letzten Rose verlaufen zu lassen.

Möglichkeit 3: Farbdreiklang

Strandkorb

Vorlage für den maritimen Farbdreiklang von weiß-blau-braun: der Strandkorb, hier von SUNNY SMART.

Wählen Sie drei Farben auf dem Farbkreislauf aus, die im Abstand von 120° angeordnet sind. Die klassischen Kombinationen sind Gelb – Blau – Rot und Grün – Violett – Orange. Der Vorteil: Das Zusammenspiel dieser Farben empfindet das menschliche Auge automatisch als harmonisch. Pflanzt man aber beispielsweise Königsgoldrute (Gelb), Berg-Aster (Blau) und Orientalischen Mohn (Rot) zu dicht nebeneinander, wird diese Variante schnell als zu bunt oder zu grell empfunden. In diesem Fall empfiehlt es sich, das Beet optisch aufzulockern, entweder mit einer weiß blühenden Sommer-Margerite oder einem rein grünen Ziergras.

Möglichkeit 4: Kontraste richtig einsetzen

Ein Farbkontrast lässt sich auf mehrere Arten erzeugen: (a) Setzen Sie zwei beliebige, möglichst reine Farben nebeneinander, (b) kombinieren Sie eine helle und eine dunkle Farbe oder (c) pflanzen Sie neben eine Blüte mit warmer Farbe eine mit kalter Farbe. Besonders deutlich treten (d) Komplementärfarben hervor. Damit sind die zwei Farben gemeint, die sich im Farbkreis gegenüberliegen. Die optische Wirkung dieses Farbkontrastes ist am größten. Basis-Komplementärfarben sind:

  • Grün –Rot
  • Orange – Blau
  • Violett – Gelb
Hochbeet

Das moderne Anthrazit des Hochbeets bildet einen schönen Kontrast zu den natürlichen Grün der Blumen.

Neben Farbkontrasten können Sie auch andere Gegensätze bei der Gestaltung Ihres Gartens bewusst einsetzen: Größe, Form, Material und Oberfläche eignen sich gleichermaßen für Kontrast-Wirkungen. Hochgewachsene Süßgräser lassen sich beispielsweise gut mit gedrungenen Stauden kombinieren. Eine blaue Clematis passt wunderbar zu einem Sichtschutz aus Stahl. Oder Sie pflanzen ein Mammutblatt zusammen mit Fetthenne in ein Beet. Vor dem grünen Hintergrund der übergroßen Mammutblätter kommen die wunderschönen Blüten der Herbst-Stauden hervorragend zur Geltung.

Hochbeet Rankgitter

Mit dem Rankgitter von OUTFLEXX hoch hinaus (1,8 Meter).

Fazit: Spielen Sie auf der Klaviatur der Farben

Hören Sie schon die Farben klingen? Dann nichts wie auf in den Garten. Jetzt im Herbst ist der beste Zeitpunkt gekommen, die Blütenpracht fürs nächste Jahr zu planen und die ersten Stauden zu pflanzen, mit denen Sie im nächsten Jahr Farbe in Ihren Garten holen. Dank der vorgestellten Tipps und Tricks können Sie umgehend mit den ersten Fingerübungen auf der Klaviatur der Farben beginnen.

Damit der florale Klang weder Sie noch Ihre Besucher umhaut, noch ein letzter Tipp: „Überhaupt ist es anzuraten, bunte Blumen oft durch weiße zu unterbrechen, um diese dadurch besser hervortreten und sich abstufen zu lassen“, wie schon Hermann Fürst von Pückler-Muskau wusste.

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Bild 9: Rankobelisk von Promadino